° Ernesty International: But Now the Demagogues Won

Schwer zu sagen, um das wievielte Album von Ernst Tiefenthaler es sich hier handelt. Der Wiener Singer/Songwriter und Multiinstrumentalist nimmt sehr fleißig Platten auf. Was aber keineswegs ein Vorwurf sein soll, der neue Songreigen zählt zu seinen gelungensten. Die zehn Stücke atmen und vereinen Tiefe und Lässigkeit in sich. Nur der Titel führt ein wenig in die Irre: "But Now the Demagogues Won" klingt nicht verzweifelt und ist auch kein kämpferisches Protest- Album. Bittersüße Schönheit, das trifft es. (EMG)

Sebastian Fasthuber, FALTER

° Ernesty Internationals Album „But Now The Demagogues Won“ ist politisch bewegt

Ernst Tiefenthaler verfügt über eine der charismatischsten Stimmen des Landes

Die Stimme klingt so vertraut, dass man versucht, Ihre Herkunft in der großen weiten Musikwelt zu verorten. Michael Stipe kommt einem in den Sinn. Solch Vergleiche mögen schmeicheln, notwendig sind sie nicht. Ernst Tiefenthaler verfügt über eine der charismatischsten Stimmen des Landes. Als Ernesty International hat er nun wieder ein neues Album aufgenommen: But Now The Demagogues Won.

Das Album wie sein Schöpfer sind politisch bewegt, übertragen wird diese Attitüde in prächtiges Songwritertum mit einer ästhetischen Schlagseite, die den Weiten der USA entnommen ist. Da drückt die Orgel aufs Gemüt, Tiefenthalers Saiten quietschen, während er mit einer Stimme vorträgt, die wie von vielen staubigen Straßen gegerbt klingt. Großes US-amerikanisches Songwriting aus Wien.

Karl Fluch, DER STANDARD

° ERNESTY INTERNATIONAL: "but now the demagogues won", EMG: VÖ 8. 12. 2018
Und auch das passt: Der Ernesty mit den "Demagogen" nach den "Bad News". Herr Tiefenthaler ist hier auf dem Haubentaucher ja beileibe kein Unbekannter. Aus dem März 2009 stammt die erste Plattenbesprechung, die wir in unseren Archiven zu "Ernesty International" gefunden haben. Und auch wenn jede Platte an die anderen anschließt, so darf man doch sagen, dass "but now..." eine der stärksten ist, vielleicht sogar die beste bisher.
Es ist, wie der Titel schon vermuten lässt, schon auch ein politisches Album. Aber keines, das in jeder Sekunde mit dem Protestplakat herumfuchtelt. Leise ist das neue Laut? Das galt für Ernesty eh schon immer. Und so ist auch die Querverbindung zu Forenbacher (siehe oben) naheliegend und erlaubt. Es hat sich etwas geändert und das spiegelt sich nicht nur in der ZIB2, sondern auch im Privatbereich. Ernesty und Forenbacher singen folgerichtig nicht über die große weltpolitische Krise, sondern über "Tired Lovers" (E.) oder "I don't believe you" (F.). Und verpacken dann Textzeilen wie "oh, democracy will die" in den Song, dass es nur so rauscht in den Gehirngängen. 10 Nummern hat Tiefenthaler zusammengestellt, die man am besten im Stück hört.

Haubentaucher, http://haubentauchers.blogspot.com

° Einfachste Mittel

Nachdem er zuletzt unter seinem angestammten Namen ein anspielungsreiches, in regionalem Dialekt gesungenes Album aufgenommen hat („Welt“, 2017), tritt der gebürtige Oberösterreicher Ernst Tiefenthaler nun wieder unter seinem – musikalisch bekannteren – Projektnamen Ernesty International in (englischsprachige) Erscheinung. Und zeigt einmal mehr, wie man im an sich zur Eintönigkeit neigenden Singer/Songwriter-Genre mit einfachsten Mitteln (und Instrumentierungen) zu abwechslungreichen Ergebnissen gelangt. Dafür genügt die richtige Stimme (für die sich ein Dylan heutzutage bedanken würde) und die richtige Stimmung.

Beides schüttelt Tiefenthaler auf dem etwas potschert „but now the demagogues won“ benannten neuen Album locker aus Hals und Handgelenk. Es geht darauf weniger um die Zustandsbeschreibung einer aus dem Gleichgewicht geratenen politischen Welt als vielmehr um die kleinen privatimen Ereignisse mitten darin. Das verleitet beim Hinhören auch mehr zum Ohrenspitzen als zum Fäusteballen.

Gerald Schmickl, Wiener Zeitung

° Ernst Tiefenthaler: Welt

Ernst Tiefenthaler, Wiener Musiker mit oberösterreichischen Wurzeln, war schon in diversen Bands aktiv, er betreibt ein Label und ist als Ernesty International solo zwischen Indiefolk und Erwachsenenpop daheim. Sein Debüt unter bürgerlichem Namen ist auch sein erstes Werk in deutscher Sprache. Wie gehabt erzeugt der Multiinstrumentalist aus verschiedenen Zutaten einen warmen, gleichzeitig angenehm spröden Sound, die gelungenen Mundarttexte schaffen aber noch einmal eine ganz andere Nähe. Schön!

FALTER

° Bekannt im Sinne von "populär", dafür hat es bei Ernst Tiefenthaler nie gereicht, obwohl der aus Oberösterreich stammende Wiener Musiker auf ein umfangreiches und durchwegs hörenswertes Œuvre zurückblicken kann, unter dem Pseudonym Ernesty International und mit Bands wie Bell Etage oder Hotel Prestige. Wer ihn aber kennt, für den ist Tiefenthaler als traditionsbewusster und zugleich doch aufgeweckter Singer/Songwriter und Multiinstrumentalist mit Americana-Neigung bekannt, der seine Lieder voll ruhiger Alltagsbeobachtungen und kluger Lebensreflexionen für gewöhnlich auf Englisch intoniert. Nun ist plötzlich nicht alles, aber doch so einiges anders: Tiefenthaler veröffentlicht mit "Welt" erstmals ein Album unter seinem eigenen Namen - und er singt darauf muttersprachlich im Dialekt, ohne je Austropop-Klischees zu bemühen. Schön und berührend war seine Musik auch in der Vergangenheit schon, hier aber rückt sie den entscheidenden Schritt näher und wird noch persönlicher, noch direkter. Die Liveumsetzung erfolgt in Triobesetzung, Tiefenthaler steht dabei das Kleine Herzkammerorchester zur Seite.

FALTER

° Ernst Tiefenthaler – „Welt“

Der oberösterreichische Musiker ERNST TIEFENTHALER veröffentlichte am 23. Juni 2017 das Album „Welt“ (EMG), das erste Album unter seinem eigenen Namen.

Man kennt Ernesty International, Hotel Prestige und Bell Etage mittlerweile in ganz Österreich – Ernst Tiefenthaler ist in allen Projekten das Mastermind im Hinter- und Vordergrund und ihm kann bei seinen durchgängig qualitativ hochwertigen und zahlreichen musikalischen Outputs kaum einer das Wasser reichen. Nun erschien sein neuestes Werk erstmals unter seinem richtigen Namen, entstanden ist es bei einem dreiwöchigen Aufenthalt im Burgenland und in der Slowakei. Diese Arbeitsweise, sich für einige Zeit mit dem Studioequipment in stillere Gefilde zurückzuziehen, ist typisch für den Oberösterreicher – daran hat sich auch unter dem neuen Projekttitel nichts geändert.

Das Album fängt mit einem leichten, hoffnungsvollen Track mit dem Titel „Ka Heile Wöd“ an, der rein vom Text her sehr melancholisch und verdrießlich ist: Im Kontrast zu der nachdenklichen, aber positiven Melodie stehen die traurigen Lyrics, die eine Welt beschreiben, die wirklich alles andere als heil ist. Doch die Stimmung verfliegt gleich im nächsten Lied – „Radfahrer“ ist fröhlich und beschwingt, der perfekte Song für sonnige Tage. Instrumental ist das Album klassisch mit Gitarre, Bass, Drums und Stimme besetzt – die Live-Umsetzung erfolgt durch Das kleine Herzkammerorchester. Im dritten Lied des Albums wird ein Thema behandelt, das zwar medial sehr präsent ist, aber aus dieser Perspektive noch kaum aufgearbeitet wurde: „Flüchtlingshelfer“ handelt von jenen Menschen, die ihr Leben auf den Kopf stellen, um Flüchtlingen zu helfen, selbstlos und geduldig.

Nach einem funkigen Sprechgesang-Track, einem ruhigen, melancholischen Beziehungssong und dem beschwingten Lied „Hoibe Portion“ folgt „Die Sympathie“, eine Nummer, in der man erstmals eine E-Gitarre zu hören bekommt und die Stimmung wie schon im ersten Song zwischen Hoffnung und Depression schwankt. Hier muss angemerkt werden, dass Ernst Tiefenthalers Stimme die Lieder so beruhigend macht, dass man die Melancholie erst bei genauem Hinhören merkt: Er hat eine weiche, aber trotzdem rauchige Stimme, die die Gehörgänge runterfließt und den Kopf mit einem warmen Nebel einhüllt. Das Album schließt mit „A Neiche Foab“ – einem sehr instrumentenlastigen Lied. Die Stimme tritt nur sporadisch auf, aber die Kompositionen sind wundervoll harmonisch und so fehlen die Lyrics nicht, man kann nicht genug von den melodischen Klängen bekommen.

Ernst Tiefenthaler zeigt auf dem Album erneut, was er draufhat: seine ganz eigene Art, Lieder zu konstruieren, Ohrwürmer zu schaffen und Behaglichkeit zu verbreiten. Ein tolles Werk von wohl einem der besten österreichischen Liedermacher.

Antonia Seierl, Mica

° REGIONALE WELT - Ernst Tiefenthalers rührend erfindungsreiche Dialektlieder

Der in Oberösterreich geborene und seit nunmehr 20 Jahren in Wien lebende Ernst Tiefenthaler gehört zu den produktivsten heimischen Musikern. Neben Produktionen mit den Bands Bell Etage und Hotel Prestige ist er vor allem mit - bisher fünf - Soloalben unter dem Namen Ernesty International hervorgetreten. Nun, auf seiner neuesten Platte, tritt er mit eigenem, unverkünstelten Namen an - und zeigt sich auf "WELT" so (titel-)paradox wie erfrischend von bester regionaler Seite, indem er ausschließlich Dialekttexte singt. Zu sparsamer Instrumentierung (hauptsächlich Gitarren, mit Akkordeon- und Glockenspiel-Einsprengseln) erzählt Tiefenthaler in kräftigem, mitunter zerdehntem oberösterreichisch-wienerischem Idiom allerlei vor sich hin mäandernde Alltagsgeschichten, die mitunter wie aus dem Stegreif entwickelt wirken (und an ähnliche Textkreationisten wie etwa Element Of Crime erinnern). Erfindungsreich. Rührend. Stark. Neben Garish der beste und überzeugendste Eigenanbau des ersten Halbjahres.

Gerald Schmickl, Wiener Zeitung

° Ernesty International: "whatever and ever", EMG 2015
Ein lieb gewonnener Dauergast auf unserem kleinen Popmusik-Kanal hier ist Ernst Tiefenthaler aka Ernesty International, wobei wir nun doch schon einige Zeit auf eine neue CD gewartet haben. Diese erscheint nun offiziell am 19. September und wird an diesem Tag abends im Wiener rhiz präsentiert. Das Cover respektive das Einlegeblatt wurden als Sonderedition angefertigt, der ganze Spaß ist auf 1.000 Stück limitiert, jedes davon ein Unikat. Die großartige Eloui ist wieder mit von der Partie, außerdem Schlagzeugerin Ines Perschy, die auf der ganzen Linie überzeugt. In einem Haus am Attersee hat Ernesty die Platte eingespielt und wer sein Werk kennt, wird sich gerade dieses Album besonders gerne anhören. Bei manchen Stücken könnte man fast von Kammermusik sprechen, so kleinteilig und sensibel aufeinander abgestimmt agieren die Instrumente. Dazu kommt die markante Stimme des Bandleaders. Der große internationale Durchbruch á la Wanda oder Bilderbuch wird damit eher nicht passieren, aber zumindest im eigenen Land sollte man Ernesty International spätestens jetzt auf jeden Fall kennenlernen. Whatever: Schöne Platte!

haubentauchers.blogspot.com

° ERNESTY INTERNATIONAL Ernesty IV. (EMG/Hoanzl)
Was 99 Prozent aller Bands und ihren Sängerinnen und Sängern fehlt, Ernst Tiefenthaler hat es: eine Stimme. Nicht nur ein Stimmchen zum Aufsagen von Texten durch ein Mikrofon, sondern ein Organ, das so klingt, als hätte es erlebt, worüber es berichtet. Das macht noch belanglose Lieder hörbar, obgleich Tiefenthaler sich diesbezüglich nichts nachsagen lassen muss. Immer in mehreren Projekten involviert, veröffentlicht er sein neuestes Album wieder unter dem zwischen Großadel und NGO angesiedelten Namen Ernesty International, Ernesty IV. Dabei zeigt sich, dass er immer dann am besten klingt, wenn er breiter instrumentiert. Hier unterstreicht vor allem das Keyboard seine Songs in ihrer (Bedeutungs-)Schwere, die sich der großen (Love is just Love) und kleinen Dinge (The Smell of Dogshit in early December) des Lebens annehmen. Einen Gutteil davon übersetzt er in die Weltsprache Americana, durchbricht deren Schablonen hier jedoch verlässlich mit elektronischen Stimmungsmachern oder einfach Ideenreichtum.

Karl Fluch, DER STANDARD


° Der König der Lauser
Ernst Tiefenthaler ist der fleißigste Singer/Songwriter des Landes – und einer der besten

Die ersten beiden Alben von Ernesty International zierte ein Astronaut. Einmal mit Bauernhof und Kühen, einmal mit glühender Sonne im Hintergrund. Alles blieb in der Schwebe und abstrakt.
Ernesty International, das konnte dem Namen nach eine Band sein, ein Konzern oder eine Institution. In den CD-Booklets stand: „Ernesty International is a non-governmental, non-profit organization whose aim is – by means of music – to fight global and individual indifference.“

Das Cover des neuen Albums „Ernesty IV.“ sieht ganz anders aus. Es zeigt den Menschen hinter Ernesty Interna­tio­nal, der als König seiner Welt posiert: den Singer/Songwriter und Multiin­stru­mentalisten Ernst Tiefenthaler. „Es war eine sehr bewusste Entscheidung, selbst in Erscheinung zu treten“, sagt er. „Und wenn ich schon vorn groß drauf bin, kann ich mir gleich auch eine Krone aufsetzen. Ich wollte meinen Narzissmus sichtbar und zum Thema machen. Vielleicht habe ich inzwischen auch stärker das Gefühl, dass ich wirklich ein Musiker bin.“
Bis Tiefenthaler zu dieser Einsicht gelangte, vergingen nicht weniger als 20 Jahre. So lang schon stellt die Musik das Wichtigste in seinem Leben dar. Das Initiationserlebnis verlief kurios. „Ich bin mit 17 bei der Stellung vorübergehend untauglich geschrieben worden“, erinnert sich der aus Linz stammende Enddreißiger.
„Meine Mutter fragte mich, ob ich nicht etwas aus meinem Leben machen mag, und ich meinte, eine Gitarre wäre vielleicht eine gute Idee. Die sind wir dann auch gleich kaufen gefahren. Diese Geschichte wäre cooler, wenn ich von meinem eigenhändig am Bau verdienten Geld eine Gibson Les Paul gekauft hätte. Immerhin habe ich aber wirklich gleich zu spielen begonnen, in dem Instrumentenladen haben wir nämlich auch ein Bob-Dylan-Songbook gekauft.“
Tiefenthaler versenkte sich ins Musikmachen. Aufs Lernen der gängigsten Akkorde folgten bald erste eigene Songs, die er mit einem Kassettenrekorder aufnahm. „Diese Spiel- und Komponierwut scheint mir rückblickend als etwas enorm Lebendiges“, sagt er heute. „Gerade wenn ich daran denke, wie karg mein Teenagerzimmer und wohl mein ganzes Leben damals ausgesehen hat. In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert, aber das innere Bedürfnis ist geblieben.“

Gemessen an seinem Output ist Ernst Tiefenthaler der gegenwärtig fleißigste Singer/Songwriter Österreichs. Seit dem Debüt „Ernesty International“ (2009) ist es ihm gelungen, jedes Jahr ein weiteres Album vorzulegen, das den Vorgänger qualitativ jeweils knapp übertraf. Das alles macht er neben einem Brotjob in der Abo-Abteilung des Standard und den beiden Bands Hotel Prestige und Bell Etage, die zuletzt aber etwas ins Hintertreffen geraten sind.
Seine Platten nimmt der Umtriebige im Urlaub auf. So entstand der Erstling im leerstehenden Haus seiner verstorbenen Großeltern; „Ernesty IV.“ spielte er im Sommer 2011 im Wiener Kellerstudio von Chris Janka ein. Kreativ hat Tiefenthaler einen derartigen Lauf, dass er zwischen Schreiben und Aufnehmen kaum noch trennt, die meisten Songs entstehen gleich direkt im Studio.
„Pro Lied brauche ich im Schnitt ein bis zwei Tage“, sagt er. „Ich freue mich selbst extrem über die Aufnahmen, höre sie mir immer wieder an und bin begeistert über die Tatsache, dass jetzt etwas da ist, das es am Vortag noch nicht gegeben hat. Aufnahmetechnisch bin ich aber leider ein Lauser, weil ich einfach nur schaue, dass ich alles irgendwie in den Kasten kriege.“

Das ist sympathisches Understatement. Die Musik klingt bei Ernesty International in der Regel so, wie es der jeweilige Song verlangt. Also perfekt – oder manchmal eben gerade auch nicht. Das Weinerliche, das übertrieben Getragene, das einem Singer/Songwriter-Musik mitunter verleidet, fehlt Ernesty International zum Glück völlig. Seine Lieder tönen lebendig, die Arrangements sind voller wunderlicher Einfälle, und die Labelkollegin Eloui setzt als weibliche Stimme weitere schöne Akzente.
Wohin das alles noch führen soll? Wahrscheinlich wird Ernst Tiefenthaler weitermachen wie bisher. „Ich kann mir schwer vorstellen, was das bedeutet, es mit Musik als Beruf zu probieren“, sagt er.
„Ich habe mir schon oft überlegt, dass ich einem eventuellen Erfolg selber ein bisschen im Weg stehe. Gleichzeitig ist da aber auch dieses kindliche Vertrauen, dass eine Platte schon zu ihren Hörern finden wird, wenn sie nur wirklich gut ist. Im Moment habe ich das Gefühl, dass noch einige Platten in mir drin sind, die gerne raus würden. Das ist fast so etwas wie ein Lebenselixier.“

Sebastian Fasthuber, FALTER


° Neues aus Österreich
An »Ernesty IV.« (EMG/Hoanzl), der vierten Platte von Ernst Tiefenthaler alias ERNESTY INTERNATIONAL, wissen vor allem die traumgelenkten, von kindlichem Weltinteresse geprägten, wiewohl auch sehr reifen Texte zu begeistern. Zum Glück setzt sich Tiefenthalers Gespür für Feinheiten auch in den Melodien und Arrangements fort. Der mit Bands wie Bell Etage oder Hotel Prestige bekannt gewordene Musiker stellt Folkpop-Traditionen klug auf den Kopf, gibt sich gerne auch mal als symphonischer Indie-Schlurf (»Boots«) und mengt all dem ein gehöriges Maß an Schrägheit bei. Ob Indietronics-Gehversuche (»The Smell Of Dogshit In Early December«) oder simpler Feel-Good-Kadenz-Pop (das an die Long Winters erinnernde »Love Is Just Love«): Was auch immer Tiefenthaler angreift (und das ist vieles, schließlich hat er auch alle Instrumente selbst eingespielt) gereicht der HörerInnenschaft zur herbstlichen Wonne.

Gabriel Mayr, skug

° Ernesty International – Ernesty IV
Ernst Tiefenthaler scheint wohl nie wirklich zu ruhen. Zumindest was die Zahl seiner musikalischen Outputs anbelangt, reichen ihm wohl nur wenige das Wasser. Man hat es hier hörbar mit einem Liederschreiber zu tun, der sein Handwerk, nämlich durch die Bank richtig gute, sehr stimmungsvolle und schön verspielte Songs entstehen zu lassen, wirklich versteht. Das in wenigen Wochen erscheinende vierte Album „Ernesty IV“ (EMG) zeigt mehr noch als in der Vergangenheit, dass sich der umtriebige Wiener sich sein ganz eigenes folk-indiepopmusikalisches Refugium erschaffen hat, welches, fernab jeglicher Orientierung an den hippen Sounds der Gegenwart, schlicht und einfach erfrischend zeitlos aus den Boxen schallt. Präsentieren wird „Ernesty IV“ am 3. November im Wiener Echoraum.
Vier Alben in vier Jahren, und das ohne auch nur einen Ausfall. Und dazu noch hat dieser Mann auch noch in zahlreichen anderen Projekten seine Finger mit im Spiel. Ganz falsch liegt man wohl nicht, bezeichnet man ihn als einen echten Workaholic. Doch Ernst Tiefenthaler alleine über seinen Schaffensdrang zu definieren, greift, hört man sich auch durch das neue Album „Ernesty IV“, dann doch viel zu kurz. Man hat es hier mit einem Singer-Songwriter zu tun, der ganz genau weiß, wie seine Stücke zu klingen haben, und es auch wirklich versteht, die eigenen musikalischen Vorstellungen Realität werden zu lassen.
Als Ernesty International bewandert der Multiinstrumentalist das Feld des modernen Liedermachertums, dies aber auf seine ganz eigene Weise. Sein Stil zeigt sich als eine Art Abriss der jüngeren Popmusikgeschichte. Die einmal mehr nahezu in kompletter Eigenregie produzierten Songs atmen Bob Dylan, genauso wie die Beatles, Leonard Cohen und gelungene Americana – und Folkentwürfe der 80er und 90er Jahre. Den Bogen in die Jetztzeit spannt der mit ausdrucksstarker Stimme durch Stücke wandelnde Ernst Tiefenthaler mit dezenten elektronischen und LoFi-Spielereien, die dem Ganzen im Ergebnis diesen eigenwilligen und unverkennbaren „Ernesty International“-Charakter verleihen.
Hinzu kommt, dass der Wiener in seinem Tun in keinster Weise irgendwie bemüht oder gezwungen wirkt. Es gelingt dem Wiener, musikalisch alles richtig schön rund und im Fluss zu halten, auch in jenen Momenten, in denen es etwas experimenteller und soundtechnisch vertrackter zur Sache geht.
Ernst Tiefenthaler ist mit „Ernesty IV“ erneut ein Album gelungen, das zeigt, dass ein gewisses Anspruchsdenken im Popmusik auch heute noch Platz findet. Auf jeden Fall ist es Leuten ans Herz gelegt, die sich für einen abwechslungsreichen Sound abseits jeden Mainstreams begeistern können.

Michael Ternai, Mica

 

° Die Rückkehr des Königs
Beim vierten Album von Ernesty International steht der Musiker Ernst Tiefenthaler endlich im Rampenlicht. Mit "Ernesty IV." setzt sich der Multiinstrumentalist und Sänger die Krone auf.
Die FM4 Soundpark Nacht, jede Woche in der Nacht von Sonntag auf Montag
Eigentlich ist Ernst ein bedachter, zurückhaltender Mensch, der seine Worte genau wählt, zwischen den Sätzen oft in reflexives Nachdenken verfällt und nicht selten sein Licht unter den Scheffel stellt. Wenn es der Wiener Musiker bisher zum king geschafft hat, dann zu einem des understatements.
Doch jetzt steht Ernst Tiefenthaler endlich im Vordergrund. Nach drei wunderbaren, musikalisch und textlich sehr hochwertigen Alben unter der Flagge von Ernesty International nimmt der sympatische Musiker nun Platz am Pop-Thron. Und das ist gut so. Auch wenn die Krönung zum besten heimischen Singer/Songwriter-König natürlich auch ironisch gemeint ist.

Von Liebe und Narzissmus
Die fröhlich dahinhüpfende Keyboardmelodie von "Sometimes Forever" eröffnet das neue Werk "Ernesty IV.". Was hier so keck und unscheinbar beginnt, schwingt sich im Verlauf zu einer wunderschönen Beziehungs-Hymne auf. Der Rausch der Verliebtheit gleicht einer geschmeidigen Kreufahrt durch das Meer der Glücksgefühle. Der Wind weht dabei den schönen mit Sängerin Eloui im Einklang intonierten Refrain über das Schiffsdeck. Nicht nur die Verliebten, sondern auch wir driften im Freudentaumel durch die kunstvoll vertrickten Harmonien.
Ernesty International live:
Samstag, 3.11., Echoraum, in der Sechshauser Strasse 66, im 15ten Wiener Gemeindebezirk, Präsentation der neuen Platte "Ernesty IV."
Ernst Tiefenthaler versteht sein Handwerk, das in jeder Minuten mehr ist als nur das Zusammenfügen von Instrumenten und Textfragmenten. Alle zwölf Stücke von "Ernesty IV." sind eigenwillig arrangierte, abwechslungsreich instrumentierte und thematisch tiefgründige Songperlen. "Love is just Love" ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur der Musiker, sondern auch seine lyrischen Geschichten direkter sind. Mit einer Tanzboden füllenden Indiepop-Gitarrenlinie und genügend Antriebskraft werden hier die Könige der Liebe gepriesen.
Aber Ernesty International beleuchtet verschiedene Facetten der Liebesbeziehung. Oftmals in schöner Metaphorik erstrahlen die mit viel Gefühl gemalten Sprachbilder sogar im Schneeregen von "Not Alaska".

Neben der Inspirationsquelle Beziehungen, die nie auszutrocknen droht, ist das Wechselspiel zwischen Narzissmus und Unterwürfigkeit der roter Faden, den Ernst Tiefenthaler in die atmosphärisch sehr unterschiedlich gefärbten Songs verwoben hat. Einerseits ist man dazu verleitet, sich anderen gegenüber zu erhöhen und von oben auf sie herabzublicken und andererseits nagt im Vergleich mit dem Gegenüber die geübte Selbstsabotage an der eigenen Sicherheit und führt zwangsweise zu einem schamvoll gebeugten Rundrücken.

Genau diese emotionalen Spannungsfelder zeigen sich diesmal auch musikalisch. Das dezente und doch nervös dahingroovende Stück "The Smell of Dogshit in Early Dezember" lässt die Klangwelt der akustischen und elektrischen Gitarren auf trockene Jungle-Drummachine-Beats treffen. Dazu umschmeicheln die weichen Stimmen von Ernst und Eloui unsere Ohren. Ein Spagat, der über die sehr spannenden vier Minuten komplett aufgeht.
Und mit "Boots" ist Ernesty International auch ein richtiger Ohrwurm geglückt, der schon nach einmaligem Durchlauf sich nicht mehr aus den Gehörgängen locken lässt. Eine abgestoppte Gitarrenlinie, ein reduzierter Bass, ein perkussives Uhrticken und der hynotisierende Text gehen in ein rollendes, sich ständig wiederholendes Thema über, dem man sich nicht entziehen kann. Mehr und mehr schichten sich verschiedene Gesangslinien übereinander und entlassen uns am Ende mit einem wirklich herzergreifenden Chor, den man nicht vergisst.
Wir verleihen Ernst Tiefenthaler unsere FM4 Musikkrone in Form einer langen Listening Session in der kommenden Soundparknacht am Sonntag, 4. November ab 1 Uhr früh.

Andreas Gstettner, FM4

° ERNESTY INTERNATIONAL
«Not a Ship an Aeroplane»

Good News aus der Singersongwriter-Ecke. Ernst Tiefenthaler sendet wieder aus seinem Ernesty-International-Universum. Wieder mit dem Ziel mit seiner Musik die Welt zu verbessern, so oder so ähnlich steht es in den Ernesty-International-Statuten. In den Jahren, wo «normale» Jugendliche sich Nirvana in die Körper gezogen haben, hat Ernst das Frühwerk von Bob Dylan aufgesaugt. Auch wenn e heute selbigen eher gleichgültig beäugt, lässt sich seine einstige Passion nicht verleugnen. In der Abgeschiedenheit von Aschach/Donau hat er in einer Woche «Not a Ship an Aeroplane» aufgenommen. Alleine. Stimme, Instrumente, Elektronik. Alleine. Der einzige Kontakt zur Außenwelt: Die Greißlerin, wenn ihm das Bier ausgegangen war. Zurück in der Großstadt wurde mit weiblicher Stimme (Franziska Abgottspon alias eloui) noch verfeinert. Welch wunderbares Universum.

Mario Lang, Augustin

° Ungeschliffenes & Unmittelbares
Die folkigen Songs von Ernesty International schleimen sich auch beim dritten Album nicht reibungslos in die Gehörgänge. Unmittelbarkeit bleibt sein größter Trumpf.

Mit seinem dritten Album »Not A Ship An Aeroplane« festigt Ernst Tiefenthaler sein Projekt Ernesty International endgültig. Es mag als Neben-Projekt zu den Bands Bell Etage und Hotel Prestige begonnen haben, derzeit scheint es eher sein Hauptbetätigungsfeld zu sein. Und so folgt wenige Monate nach »It Could Be The Sun, Mr. President« schon das dritte Album. Wie schon auf dem Vorgänger feiert er damit eine sehr eigene, mitunter verschrobene Spielart von Americana oder Folk. Er nennt im Interview große Songwriter wie Springsteen, Dylan, Young oder Cohen als vielgehörten Einfluss, als Hörer fühlt man sich meist eher an weniger bekannte (90er-)Helden wie Rex oder Califone erinnert. Tiefenthaler selbst wagt es nicht, seinen Songwriting-Prozess zu beschreiben, sondern greift auf »blumige« Metaphern zurück. Zumindest diese Unmittelbarkeit und Unperfektion bleibt dem finalen Werk erhalten.
Die meisten Instrumente werden von ihm selbst eingespielt – auf dem Album entsteht neben den Songs eine zweite, situationistische Ebene, die sich zu einem LoFi-Folk-Klischee-Bild verdichtet und in erster Linie stimmig wirkt. Textlich feilt er nicht an Wörtern, Phrasen oder Aussagen, sondern hangelt sich assoziativ durch mitunter schwer bis zumindest nicht eindeutig dekodierbare Bilder. Die möglichst große Direktheit und Emotionalität stehen auch hier im Vordergrund. Anders als andere Songwriter, in Österreich etwa der etwas bemüht wirkende Son Of The Velvet Rat, feilt Tiefenthaler mit Ernesty International nicht am perfekten Song, sondern er möchte sich mit seinen Nummern »in die Seele schleichen«. Dem Hörer würde er es mit ein wenig geschliffenerem Songwriting sicher einfacher machen, aber dadurch eventuell seine Einzigartig – die nicht nur in der Stimme liegt – einbüßen. (7/10)

Martin Mühl, The Gap

° Tonträger des Monats Mai/lang: Ernesty International: "Not a ship an Aeroplane", Ernesty Music Group 2011

Jedes Jahr eine neue CD, drunter tut es Ernst Tiefenthaler nicht. Die 2011er ist rockig, countryesk und poetisch, langsam und konzentriert, absolut nicht dahergehudelt, kaum ein Song ist unter 4 Minuten lang. Eigentlich kann man Ernesty International am besten mit Ernesty International vergleichen, ansonsten hat sich Herr Tiefenthaler nämlich ein eigenes musikalisches Kleinst-Universum zusammengezimmert, in dem es sich offensichtlich recht behaglich lebt. Die Gitarre klingt nach endlosen Touren durch das Hinterland, dazu singt Ernesty lässig wie immer, diesmal zusätzlich verstärkt durch eloui. Der Mann mit der charakteristischen Stimme könnte noch Stunden so weitermachen, man hört ihm immer gern zu, auch wenn er weder Jim Morrison ist noch der Sohn von Daniel Day Lewis.
Haubentaucher,
http://haubentauchers.blogspot.com

° Auf seinem eigenen Label EMG erscheint die jüngste Arbeit von Ernesty International: Österreichs Fleißigster macht darauf einige Schritte vorwärts, denn fühlte man sich angesichts der vielen E.I.-Songs zuweilen überfordert, weil in einer Wiederholungsschleife. Die neue Scheibe überzeugt durch die etwas anders gestrickte Produktion: Da ist auch mal Platz für Loops und ein wenig Elektronik, während andererseits die Synthese zwischen Indie und Folkpop gesucht und meist auf gute Weise gefunden wird. Auch scheint das Songwriting auf »Not A Ship An Aeroplane« noch differenzierter als auf den guten Vorgängeralben – es scheint als hätte E.I. alle Kräfte für EMG-001 gebündelt; und der Topos des Weltraums bzw. des Fliegens wird hier fortgeführt.
Jürgen Plank, skug

° Dem Mann kann es nicht schnell genug gehen. Neben den Bands Bell Etage und Hotel Prestige hat sich Ernst Tiefenthaler mit Ernesty International drum ein Singer/Songwriter-Projekt aufgebaut, bei dem er das Tempo bestimmt. Nur ein Dreivierteljahr nach dem letzten Album erscheint das dritte Ernesty-Werk. Die Musik erhebt sich nach dunkelgrauem Beginn bis zur Euphorie von „Limited Soldier“. Die Qualität des Gebotenen kann mit der Spannbreite mithalten. Herrlich die Liebeserklärung in „Balcony“: „If I had the water and the time / I’d build a swimming pool right onto your house.“

Sebastian Fasthuber, FALTER

° Ernesty International präsentiert sein neues Album "Not A Ship An Aeroplane" und beantwortet ein paar Fragen. Schwer einordenbar, aber einzigartig ist er auch im Interview.

Dein neues Album »Not A Ship An Aeroplane« schließt für mich beim Vorgänger »It Could Be The Sun, Mr. President« an. Du scheinst eine eigene musikalische Sprache gefunden zu haben, während das Debut noch von einer größeren stilistischen Breite geprägt war?

ET: Mir ist klar, dass sich die drei Platten unterscheiden, und dass schon eine Entwicklung zu erkennen ist, für mich fühlt es sich aber nicht so an, als ob die stilistische Breite weniger geworden ist. Für mich ist der ganze Liedschreib-, Arrangier- und Aufnahmeprozess etwas sehr Geheimnisvolles und Wundersames, und ich kenne wenig Sachen, bei denen ich mich so im Moment fühle, so sehr das Gefühl habe, dass ich jetzt genau das mache, das ich machen mag, und dass ich nirgendwo anders sein will.

Für Selbstzweifel und Perfektionismus ist da sehr wenig Platz, es ist ein ziemlich stetes und optimistisches Vorwärtsgehen, und meistens nehme ich die erste Idee, die mir kommt, wenn es z.B. darum geht, jetzt den Bass einzuspielen oder eine Überstimme zu basteln. Wenn ich in den Momenten also meine musikalische Sprache finde und sie uncodiert vor mir liegt, ist das – blumig formuliert – meistens eine sehr zauberhafte Begegnung mit mir selber und irgendeinem inneren Feuer, das sich wenig um Stile oder die bisherige Geschichte der Popmusik schert.

Was hat es mit dem All und dem Weltraum auf sich? Das spielt nun schon drei Alben eine Rolle.

ET: Ich glaube, ich mag einfach das Bild der Entfremdung und Heimatlosigkeit, das ich mit einem Astronauten verbinde. Jemand, der nicht mal auf der Erde ist, diese vielleicht auch noch durch ein kleines Raumschifffensterchen aus der Entfernung sieht, jemand, der in einem dicken Anzug steckt und sein eigenes Luftgemisch einatmet, jemand, der wo ist, wo er eigentlich nicht hingehört und wo es sehr, sehr still ist. Da gibt es eine große Sehnsucht nach Nähe und nach Geborgenheit und Unter-Leuten-Sein und sich dort auch wohl fühlen.

Zwei Bilder haben mich da schon immer fasziniert, und die sind bei Platte 1 und 2 am Cover drauf: bei der ersten das Bild, dass ein Mensch sich auf der Erde wähnt, (wie eigentlich ja die meisten von uns) hier sein Leben lebt, in einer schlaflosen Nacht aber am Horizont die Erde (den blauen Planeten) aufgehen sieht. Wo bin ich? (Ich glaub, diese Frage ist in dem Fall berechtigt). Bei der zweiten Platte das Bild, dass jemand das Ziel hat, auf der Sonne zu landen, wobei die Sonne ja grundsätzlich als was Positives, das Leben ermöglichendes, wahrgenommen wird, eine zu hemmungslose Annäherung allerdings dann eher gefährlich ist.

Deine Musik lässt sich grob als eine Spielart von Amerikana oder Folk einordnen. Wie sieht das Referenzsystem aus, deine musikalische Sozialisation?

ET: Ich kann auch nicht im einzelnen darlegen, was mich geprägt hat als Liedschreiber. Ich bin so mit 13 auf Bruce Springsteen gestoßen, und da war ich ein richtig großer Fan, Bruce war mein erster Superhero, so mit 16 hab ich mir dann mal zufällig die erste Bob Dylan-Greatest Hits gekauft (mit den frühen Sechziger-Sachen), und das hat unglaublich bei mir eingeschlagen. Hab mir dann im Laufe der nächsten Monate und Jahre immer neue Dylan-Platten gekauft, einfach nach dem Cover. Ich glaube, dass ich zwei Jahre lang so gut wie nicht anderes gehört habe, die damals aktuellen Sachen hab ich einfach nicht mitbekommen.

Später sind noch Neil Young und Leonard Cohen dazu gekommen. Meine Annäherung an die Jetzt-Zeit passierte, als mir meine damalige Freundin „The Bends“ von Radiohead vorgespielt hat. Ich weiß noch, was für eine dunkle und depressive Kraft diese Platte auf mich ausgestrahlt hat, und dass ich mich monatelang vor ihr gefürchtet hab. Bis ich sie mir dann mal gekauft habe. So hab ich dann langsam weitere Sachen entdeckt, aber die ganze Welt des Indie und Alternative ist erst sehr, sehr spät in mich eingedrungen, lange Zeit war da einfach nur Bob Dylan.

Als ich die erste Gitarre bekommen habe (uncoolerweise war ich mit meiner Mutter im Musikladen und sie hat auch bezahlt), hab ich da im Plattenladen zufällig ein 500-Seiten-Dylan-Songbook gesehen, und mit dem hab ich dann auch zum Gitarre-Spielen angefangen, klingt abgedroschen, ich weiß, war aber so.

Gibt es in Österreich oder Europa eine musikalische Szene der du dich zugehörig fühlst oder mit der du etwas anfangen kannst?

ET: Mit Zugehörig-Fühlen tu ich mir generell schwer, und mir ist klar, dass die Sehnsucht nach einem Nach-Hause-Kommen und der langsame Prozess meines Auf-Der-Welt-Ankommens (siehe Astronaut) auch ein wenig bedeutet, dass meine Musik sich da irgendwo in der österreichischen Indieszene ansiedelt und ihren Platz findet. Es freut mich, wenn sie Menschen was bedeutet, wenn sie ein bisschen Begleiterin sein kann. Bei mir selber hatte und hat es immer den größten Trost gebracht, das Gefühl zu haben, Anteil an einem Menschen zu bekommen, irgendwie ein bisschen was von seiner Welt, seiner Suche mitzubekommen.

Neil Young ist mir phasenweise einfach nahe gestanden, und auch wenn nur er zu mir gesprochen hat – und meistens nicht umgekehrt – und mir was erzählt hat von sich, war es doch eine Beziehung, die mir Halt gegeben hat. Paul Simon ist da auch so ein Kandidat, und einige andere auch. Kann natürlich keine Freundschaft oder Liebe ersetzen, aber manchmal bleibt einfach nur die Musik, und das ist denk ich okay so.

Ich kann deinen Text-Assoziationen nie länger als ein paar Zeilen folgen. Welche Rolle spielen für dich die Texte?

ET: Ich mag es, wenn Texte scheinbar aus Gesprächsfetzen zusammengebastelt sind, wenn es einzelne, lebendige Bilder und Steinchen sind, die sich unter dem Dach eines Liedes zusammenfinden, wo sie dann trotzdem eine Verbindung haben und zusammengehören. Ich lese selber keine Gedichte, und mir war das endlose Feilen an Wörtern immer eher fremd, und es gibt nichts Schlimmeres als Songtexte, die auf poetisch und bedeutungsschwanger machen, es aber nicht hinbekommen. Das Unperfekte, das scheinbar Banale, das dann plötzlich wieder mit was Emotionalem oder eben auch Poetischem gemischt wird, oder auch was Lustigem, an den ganzen Bruchlinien ergibt sich für mich ein Glanz, der lebendig ist und interessant.

Es wird also nicht alles zugekittet, sondern eben im Gegenteil, und die Stille und Unverständlichkeit und das Traumartige sind zumindest nicht klischee-beladen. Der Versuch, auf ganz direktem Weg seine Gefühle mitzuteilen, funktioniert nur bei ganz wenigen Leuten, Antony ist für mich da ein gutes Beispiel.

Ich selber bin einfach nicht der direkteste, und der Umweg, den meine Gefühle über den Kopf nehmen, ist ja eigentlich schon ein wichtiges Thema der Songs selber, und bei der Musik verstumme ich wenigstens nicht ganz, sondern es kommt was raus, wie bei Funksprüchen aus dem All, wo die Verbindung nicht sehr gut ist. Die Angst kann zwar dazu führen, dass man was wegsperrt, aber das ganze bahnt sich seinen Weg schon zurück. Dieser ganze Umweg wirft schon ein paar Brocken Text ab.

Deine Stimme ist bemerkenswert eigenständig und unverwechselbar. Ein bewusst eingesetztes Stilmittel?

ET: Nein, das glaub ich nicht. Wobei meine Stimme schon im Laufe der Jahre einige Wandlungen durchgemacht hat. Am Anfang, als ich die Gitarre bekommen hab, da hab ich sehr angedrückt, so Springsteen-, Tom Waits- und Dylan-artig, mit nicht wegzuleugnenden Einflüssen von Bryan Adams, ich hab bestimmt nicht wie ein 18-Jähriger geklungen, und wenn ich wem was vorgespielt habe auf Kassette, dann hab ich meistens ungläubige Blicke geerntet. Es gibt immer noch einen gewissen Unterschied zwischen meiner Sprech- und meiner Gesangsstimme, aber gut, es gibt ja auch einen Unterschied zwischen meinem Sprech- und meinem Gesangs-Englisch, aber ich denke nicht, dass ich ein Bühnen-Ich hab und ein Privat-Ich, so wie es bei den Tiger Lillies vielleicht ist z.B., oder bei Peter Rapp. Wobei ich großer Tiger Lillies-Fan bin!

Ich habe beim Hören deines neuen Albums machmal den Eindruck, dass die Songs selbst in den Hintergrund rücken und stattdessen etwas Situationistisches vermittelt wird. Ich habe dabei eher eine Live-Situation vor Auge, auch wenn die meisten Musikparts wohl von dir hintereinander eingespielt werden? Dafür passt das Bild zu einem Folk-Klischee.

ET: Meine oben beschriebene Arbeitsweise des nicht lange Herum-Feilens bringt es wohl mit sich, dass das ganze nicht immer wie eine perfekt produzierte Geschichte klingt, ich fröhne da aber nicht absichtlich einem Klischee und will, dass es besonders Low-Fi klingt, nur weil ich eine alte Schwäche für „The Times They Are A-Changing“ habe. Ich finde es schön, wenn was Lebendiges erhalten bleibt und ich habe bemerkt, dass ich bei jeder Platte lange gebraucht habe, um mich von dem, wie die Songs ungemischt und ungemastert geklungen haben, nach dem Mischen und Mastern emotional zu trennen.

Klarerweise habe ich alles hintereinander eingespielt, außer bei manchen Songs, wo ich Gesang und Gitarre gleichzeitig aufgenommen habe, dann allerdings auch immer ohne Klick im Kopfhörer, was es schwierig macht, nachher noch was dazuzuspielen, vor allem Percussion-mäßig.

Grundsätzlich aber eine schöne Vorstellung, wenn man auf der CD was hören kann und mitspüren, wie ich dort z.B. in Aschach im Haus bin, wie ich ein bisschen mit einer Verkühlung kämpfe, weil das Haus nur so langsam warm wurde, oder wie ich vielleicht leicht angesäuselt bin vom dritten (na, leicht angesäuselt eher vom ersten oder zweiten) Bier an dem Abend, oder ein Magenknurren gibt es auch bei „Musketeers“, kurz bevor ich zu singen anfange.

Das meine ich nicht unbedingt negativ, aber auf dem Album fehlt für mich so etwas wie ein Hit. Die Songs versuchen nicht unbedingt zwingend den Hörer mitzureißen, sondern sind selbstbewusst ungeschliffen. Eher Erzählung als Pointe.

ET: Mit Erzählung und Pointe weiß ich jetzt nicht genau, was Du meinst. Ich hatte bestimmt nie die Absicht, keine Hits zu schreiben. Auf dieser CD ist es bestimmt öfter so, dass es Strophe und Refrain gibt, falls man die Kombination aus beidem als Ingredienz eines Hits begreifen möchte. Beim Mischen haben wir sicher nicht alle Register gezogen, um das Ganze Coldplay-artig ganz super-schön klingen zu lassen, käme mir seltsam vor, das Homerecording-Element vertuschen zu wollen und aus den Aufnahmen mehr zu machen als es ist. Es absichtlich trashig klingen zu lassen hätte natürlich auch Charme gehabt, aber das ist ein schmaler Grat und birgt das Risiko, dass sich das Ding jemand nicht anhören mag, weil es zu schlecht klingt.

Mir kommt vor, das Mitreissen kann auch was Blendendes haben, und meine Absicht ist mehr ein vorsichtiges Hindeuten – wenn man hinguckt oder dorthin mitgeht, kriegt man schon seine Euphorie und Intensität, wenn man nicht mitgeht, dann eben nicht. Aber ich wünsch mir natürlich, Hits zu schreiben; Hit im Sinne von „Suzanne“ oder „I See A Darkness“ oder „I’ll Believe In Anything“ von Wolf Parade. Es gibt viele Beispiele für solche Songs, wo Musik und Text und Aufnahme sich in magischem Zusammenspiel in die Seele schleichen oder hämmern oder so.

Wie setzt du deine Musik live um? Wird es dabei auch mal lauter und wilder oder vermisst du diese Art der Energie, wie du sie mit Bell Etage teilweise gespielt hast, nicht?

ET: Live gibt es eine Band, die aus 2 Bell Etage-Mitgliedern (Josip und El), zwei Hotel Prestige-Mitgliedern (Martin und Reinhard), sowie aus Franziska (die ja auch bei den CDs bei ca. der Hälfte der Lieder mitsingt) und (manchmal) Diesi.

Ja, es wird schon manchmal lauter und wilder, aber nicht so laut und wild wie bei Bell Etage. Bei Ernesty spiel ich jetzt in letzter Zeit auch öfter E-Gitarre statt der Akustischen, ich glaub, das wird in Zukunft auch auf den CDs vermehrt passieren. Die Intensität auf der Bühne ist aber natürlich keine Frage der Lautstärke und der Wildheit, im Radiokulturhaus hab ich mit Franziska auch 1 ½ Lieder nur zu zweit gespielt, das war bestimmt nicht weniger intensiv als ein Bell Etage-Konzert, wo ich mich mit der verzerrten Gitarre am Boden wälze. Ich schwitze auch nicht weniger.

Markus Egger, Mica

° Die Perfektion der Indirektheit

Ernst Tiefenthaler war schon öfter hier zu Gast und erwies sich immer als spannender, überlegter und tiefsinniger Gesprächspartner. Diesmal hat er als Ernesty International nicht nur sein neues, drittes Album "Not A Ship An Aeroplane" im Gepäck, er ist auch frisch gebackener Labelbetreiber. Ernesty Music Group, kurz EMG (die Anspielung auf EMI und BMG sind da wohl kaum zu übersehen), folgt dem schon seit Anbeginn des Projekts aufgestellten "politischen Konzept" dernon-governmental, non-profit organization für Musik, die jedoch nicht einen "David gegen Goliath"-artigen Kampf gegen die ach so böse Musikindustrie verfolgt, sondern sich mit Problemen der Globalisierung, Medienmanipulation, gesellschaftlicher Vereinsamung und Verarmung sowie Kommunikationsunfähigkeit auseinandersetzt. Was hier großtrabend klingt, findet bei Ernesty International allerdings auf ganz kleiner Ebene statt. Gespeist von persönlichen Erlebnissen, Beobachtungen des eigenen Mikrokosmos, indifferenten Empfindungen und bedachter Reflexion erzählt Ernst Tiefenthaler in assoziativen Bildern abstrakte Geschichten realen Ursprungs von menschlichen Schattenseiten aber auch von hoffnungsvollen Entwicklungen. So wird zwischenmenschliche Beziehung zum Beispiel über die gemeinsame "Abhängigkeit" von Schiffen und Flugzeugen abgehandelt, die ohne ihr Radar Gefahr laufen würden, ihren Weg zu verlieren. Das Schöne an Ernesty international ist jedoch, dass man aus den derart vielschichtigen Texten seine ganz eigenen Geschichten im Kopf formen kann. Schließlich geht es dem Sänger, Multiinstrumentalisten und passionierten Produzenten Ernest Tiefenthaler um die Indirektheit, mit der er sich über die Musik ausdrückt. Spannend bei all diesen sprachlichen Umwegen ist die berührende Unmittelbarkeit seiner Songs, die diesmal musikalisch abwechslungsreicher instrumentiert sind, wobei neuerdings auch elektronisch-analoge Sounds die poppigen Stücke infiltrieren. Ein spannendes Werk also, das neben wunderbaren Melodien und cleveren, stimmungsvollen Arrangements viel an Gesprächsstoff hergibt.

Andreas Gstettner, www.fm4.orf.at


° Ernesty International: Not a Ship an Aeroplane
Wunderbar entspannten und niveauvollen Singer/Songwriterpop bietet Ernst Tiefenthaler auf seiner neuen CD seines Solo-Projekts Ernesty International. „Not a Ship an Aeroplane“ (Ernesty Music Group) heißt das gute Stück. Wie schon auf seinen ersten beiden Veröffentlichungen  - dem selbstbetitelten Erstlingswerk und „It could be the sun, Mr. President.“ präsentiert sich der Wiener auch diesmal als exzellenter und hochtalentierter Liedermacher. Wunderbare Melodien, intelligentes Songwriting und eine Stimme, die einfach nur berührt.
 Der Mann scheint in der Tat ein Workaholic zu sein, wie er im Buche steht. Obwohl bei den Bands Bell Etage und Hotel Prestige als Sänger angestellt, findet der Wiener auch noch Zeit sein eigenes Projekt mit Nachdruck voranzutreiben. Bei „Not a Ship an Aeroplane“ handelt es sich nämlich um das inzwischen dritte Album innerhalb von drei Jahren. Ein kreativer Output von dem andere Musikerinnen und Bands nur träumen können. Noch dazu befindet sich darunter kein einziger Ausfall, vielmehr bewegt sich Ernst Tiefenthaler musikalisch auf einem Niveau, welches durchaus internationalen Standards entspricht.
 Auch auf seinem neuen Output zeigt sich Ernst Tiefenthaler als ein wahrer Experte darin, wunderbare melancholisch angehauchte Songs zu schreiben, die sich schon nach erstmaligem Hörgenuss in den Gehörgängen festsetzen. Die nahezu in kompletter Eigenregie produzierten zehn Tracks – Tiefenthaler spielte mit wenigen Ausnahmen nahezu alle Instrumente selber ein – zeugen vom ungemein ausgeprägten Musikverständnis des Wiener Liederschreibers. Es weiß wie er was, zu welcher Zeit, in welcher Form in Szene zu setzen hat.

Irgendwo zwischen LoFi-Spielereien, großem Epos, klischeebefreitem Americana und lässigem Singer/Songwritertum agierend, erschafft der facettenreiche Sänger und Multiinstrumentalist seine eigene unverkennbare Version anspruchsvoller Popmusik, die gleichzeitig hochemotional wie auch authentisch daherkommt. Die Musik von Ernesty International ist schlicht eine, die über herkömmliche Popbegrifflichkeiten hinausgeht, die anstatt an der Oberfläche hängenzubleiben, sich auf wunderbare Weise in die Tiefe entwickelt.

Ernesty International ist mit ein weiteres Beispiel dafür, dass auch hierzulande talentierte und viel versprechende Musiker/Innen mit einem enormen Potential am Werken sind, die es verstehen, hervorragende Songs zu schreiben und ihr Publikum zu begeistern wissen. Wer sich also für anspruchsvolle, tiefsinnige und emotionale Popmusik begeistern kann, sollte „Not a Ship an Aeroplane“ auf jeden Fall einer intensiven Hörprobe unterziehen. Es lohnt sich.
Michael Ternai, Mica

 

° Sternstunden 2010

Jahresbilanz der Kulturredaktion Steiermark: Das Album „It could be the Sun, Mr. President„ landet auf Platz 2 in der Rubrik „Pop“.
„Der Wiener Ernst Tiefenthaler setzt auf ein steirisches Label. Liebevoll arrangiert, Melancholie und Euphorie in tiefer Umarmung.“

FALTER

° Ein Kürbis für das Herz der Finsternis
Konzert der Bands Ernesty International und Morbidelli Brothers im Wiener Radiokulturhaus

Der Kürbis hat im Herbst Saison. Nicht nur im Suppentopf, auch kulturell schlägt sich der Wiesenbewohner nieder. Das steirische Label Pumpkin Records, ein Verlag für prächtige Nischenmusik, reist am Mittwoch mit zwei seiner Bands an, um im Wiener Radiokulturhaus eine Pumpkin Night zu begehen, bei der Süßes oder Saures kein Thema sind.
Die beiden heimischen Bands Ernesty International und Morbidelli Brothers stehen am Menü. Ernesty International ist ein Projekt von Ernst Tiefenthaler, der ansonsten mit den Bands Hotel Prestige oder Bell Etage umtriebig ist. Als Ernesty International produziert der Mann mit der charismatischen Stimme solo oder mit Band filigrane Folk-Szenarien, die sich vom herkömmlichen Singer-Songwritertum oft schon emanzipiert haben. Seine Stimme erinnert an den verstorbenen Vic Chesnutt, seine atmosphärereichen Stücke halten diesem Vergleich ebenfalls stand. Eine verspielte wie vielfältige Instrumentierung, elektronisches Gewimmer und eine warme Produktion prägen diese Musik.
Ungleich lauter geht es bei den Morbidelli Brothers zu. Der Fünfer treibt die Sau durch den Stall, die Garage des Landbewohners. Ihr oft mit schneidiger Geige gespielter Country-Rock erinnert an Commander Cody zu dessen hoher Zeit Mitte der 1970er, als er mit langhaarige Hippies im Herzen der Finsternis - in Texas - vor Publikum getreten ist und Country gespielt hat. Leidenschaftlich, durchgeknallt, großartig sind sie beide. Folgen Sie dem Ruf des Kürbis!

Karl Fluch, DER STANDARD

 

° ERNESTY INTERNATIONAL- Musikarbeiter unterwegs… zu einem Check-up mit Ernst Tiefenthaler
Ernst Tiefenthaler ist ein musikalischer Aktivposten dieser Stadt. Ernesty International heißt sein nominelles Soloprojekt mit einem sehr feinen zweiten Album.

«Ernesty International is a non-governmental, non-profit organisation whose aim is – by means of music – to fight global and individual indifference, self-delusion, manipulation, lifelessness, communication disability, misanthropy and solitude.» Das steht mit den Lyrics im Artwork von «It Could Be The Sun, Mr. President» zu lesen, das zweite Album von Ernesty International, wie das erste («Ernesty International», 2009) bei Pumpkin Records erschienen. Aufgenommen wurden beide Alben allein, in Wohnhäusern «am Land» und nicht in sterilen Studios, eines in Aschach, das neue in Riedenthal. Ernst Tiefenthaler spielt darauf viele Instrumente und singt, Eloui sang bei beiden Alben später die weibliche Stimme.
Bei Livekonzerten verstärkt sich Ernst mit weiteren MusikerInnen, die dann auftreten wie eine Organisation inklusive Namensschildern. «Chairman» Ernst macht überhaupt viel gute Musik, mit dem Debütalbum seiner «Hauptband» Bell Etage «We Carried The Sunlight Down To The Day» erregte er Anfang 2008 mediale Aufmerksamkeit, die zeitgemäße, offene Rockmusik des Zweitlings «With A Flying White Flag» stand dem Debüt in nichts nach. Nicht eingespannt in eine 40-Stunden-Woche (30 Stunden sind auch eine Zeit) entspringt Ernesty International zum einen der Neugier – was passiert wenn ein Musiker sich mit Instrumenten und Recording-Equipment in ein Haus zurückzieht? – zum anderen im Fall des aktuellen Albums (im Frühling 2009 aufgenommen) dem Umstand, dass Bell Etage ruhten. Was jetzt dazu führt, dass Ernst die Songs von «It Could Be The Sun, Mr. President» lernen muss, während er neues Material im Kopf, auf Papier und in der Gitarre hat und eigentlich wieder mit Bell Etage loslegen möchte.
Daneben fand er die Zeit für «die Quelle», ein Atelier- und Proberaumhaus im 10. Bezirk, wo eine ineinander verwobene KünstlerInnen/MusikerInnen-Gemeinde wirkte, ein Nachfolgeobjekt zu finden, nicht gänzlich unironisch in der Hauffgasse unweit der Szene Wien gelegen und, wie er mit ein wenig Wehmut erzählt, auf Musik fokussiert. Die Songs sind das (Wieder-)Lernen auf jeden Fall wert, «Red Cross», «Fidel Castro» («we are the world’s most fortunate lovers/we trick the CIA and all it’s undercover agents/cause we are a 100 times faster») oder «Alaskan Beach Boy» zeigen, dass Ernst zu den spannendsten Songwritern des Landes gehört und als sein eigener Interpret einen Weg gefunden hat, mit der englischen Sprache und der Form «Song» umzugehen, die auch «heavy stuff» wie in «Daddy’s Revolver» behandelt: «I tried to sharpen my thoughts/to drill a hole into my head/and from the outside i tried it/with daddy’s revolver instead». Wo und wie kann ich Ernesty International beitreten?

Rainer Krispel, Augustin 09/2010

° Interview mit Ernst Tiefenthaler, 21. Juli 2010

Der oberösterreichische Musiker Ernst Tiefenthaler ist der Mastermind und Kopf hinter der alternativen Rockband Bell Etage, er hat gemeinsam mit seinem Bruder Martin die Indie-Folkband Hotel Prestige gegründet und gerade mit seinem Solo-Projekt Ernesty International sein zweites Album „It could be the sun Mr. President“ auf dem steirischen Label pumpkinrecords veröffentlicht. Das Interview führte Markus Egger.

Das alte Ernesty International Album wurde in Oberösterreich im Haus deiner Großeltern aufgenommen. Wie war das bei deinem neuen Album „It could be the sun, mr. President!“?

ET: Ja, genau das erste Album hab ich ganz allein aufgenommen und ich habe dann teilweise in Wien noch was aufgenommen eben auch die Stimme von der Franziska (Anmerkung: die Sängerin eloui). Bei dem neuen Album war ich im Haus von meinem Bruder in Niederösterreich, der aber zum Teil eh auch nicht da war. Da habe ich mich auch ein bisschen zurückgezogen. Ich war zweimal ca. fünf Tage dort.
Wie bist Du auf eloui als Sängerin gekommen, sie war ja auch beim ersten Album dabei?

ET: In der Quelle (Anmerkung war der Proberaum von Bell Etage, Thalia und diversen anderen Bands) haben wir im Proberaum zusammen gefunden. Sie war dann auch im Quellenchor dabei. Und dann habe ich sie mal gefragt, ob sie Lust hätte Stimmen auf meiner Platte einzusingen und dann hat sie Ja gesagt….Und das war von Anfang an super!

Live tretet ihr manchmal ja auch nur zu zweit auf?

ET: Ja das haben wir jetzt schon ein paar mal gemacht. So drei mal bisher: Das ist nur mit akkustischer Gitarre und zwei Gesang stimmen. Einmal haben wir in Graz gespielt, dass war super, da haben wir aus irgendeinem Grund drei Stunden lang gespielt. Ich habe quasi alle Lieder ausgepackt, die mir irgendwie eingefallen sind. Die Franziska hat sie zum Teil gar nicht gekannt, sie hat aber trotzdem dazu gesungen. Das war auch ein bisserl das in Graz sein. Da is eh alles wurscht, da kenn ma keinen.
Und wie kam die Unplugged-Idee?

ET: Ja das ergibt sich zum Teil einfach, weil man ja auch nicht überall mit Band live spielen kann. Zum Beispiel das Konzert in Graz war so eine Singer/Songwritergeschichte.
Wo probt ihr jetzt? Die legendäre Quelle gibt es ja nicht mehr?

ET: Der Proberaum wird jetzt Proberaum tauglich gemacht, aber das machen wir jetzt. Das ist genau neben der Szene ein Haus weiter in der Hauffgasse, eine 130 Quadratmeter große Halle, rechts davon eine Tischlerei, links davon eine Baufirma. Es sind alle Bands (Bell Etage, Hotel Prestige, Thalia) erhalten geblieben, die vorher auch dort waren und es sind auch neue dazu genommen: Eine Mädels Band, die sind zu dritt: Agent Cooper und die Morbidelli Brothers, wo der Sheriff Melone und jetzt auch der Herbert (Anmerkung Zgubic, Gitarrist der Rewolfinger und von Hotel Prestige), die werden jetzt auch dort fix proben.
Wird Bell Etage neben Ernesty International weiterhin bestehen bleiben, die Besetzungen der beiden Bands überschneiden sich ja teilweise?

ET: Zwei Leute spielen bei Ernesty mit, aber die anderen zwei die nur bei Bell Etage mitspielen waren jetzt längere Zeit nicht in Österreich, aber wir wollen auf alle Fälle mit Bell Etage weitermachen.

Stimmt es das der Rainer Krispel bei einem Interview mit dir eine Kassette mit Songs mitgebracht hat, die Du als Teenager aufgenommen hast?

ET: Ja das stimmt, die Sandra, die mit dem Rainer verheiratet ist, die war mit mir damals in der Schule und der hab ich damals zwei Kassette mit Aufnahmen gegeben, die ich mit 17 oder 18 aufgenommen hab. Und zu einem Intervew vor ca. zwei Jahren zur ersten Bell Etage CD ist der Rainer dann erschienen mit der Kasette, die ich da schon gar nicht mehr gehabt hab. Das war ganz lustig. Auf der neuen CD ist sogar ein Lied oben, wo ich ein bisschen Anleihen an die alten Nummern genommen hab.

Welche Nummer ist das?

ET: Red Cross.

Das ist eh die Single?

ET: Ja, genau, das ist sozusagen die Single. Die Grundmelodie von der Strophe hab ich mir da wieder rausgeholt.

Hast Du Dich noch erinnert, was das für Lieder waren?

ET: Zum Teil schon. Zum Teil auch wieder nicht. Es ist mir jetzt keines total neu oder total fremd vorgekommen. Aber ich habe schon vergessen gehabt, dass es das gibt.

Was war das für eine Musikrichtung? Grunge?

ET: Nein, kein Grunge! Schon mit akustischer Gitarre. Es war eh nicht so viel anders. Aber was mich so schreckt ist die Stimme. Ich hab total angedrückt. (macht Knurrgeräusch nach) Es ist eine extreme Mischung aus Tom Waits, Bob Dylan und Bruce Springsteen. Es ist sehr gedrückt und klingt dadruch auch voll erwachsen, als ob ich ein 50 jähriger Alkoholiker wäre. Das ist mein Gefühl. Das hab ich heute eh auch noch ein bisschen, dass ich was Raues reinlegen will. Aber es war wirklich eine schräge Begegnung mit der Vergangenheit.

Auf Deinem alten (Ernesty) Album besingst Du Francis Ford Coppola auf dem neuen Album Fidel Castro? Woher kommt Deine Vorliebe für diese berühmten Persönlichkeiten?

ET: Es geht nie um die Personen selber, ich will immer ganz was anderes transportieren. Gerade beim Fidel Castro ist das zum Teil in der Presse falsch verstanden worden als totale Verherrlichung. Das ist von meiner Seite nicht gemeint. Es geht mir nicht um eine politische Message. Es geht um das Verherrlichen selbst, aber nicht dass ich das wirklich tue, es geht darum, dass ich es wirklich tue. Man braucht sich den Text ja nur einmal durchlesen, es ist ja so extrem verherrlichend, dass es nicht mehr so gemeint ist. Das Traurige schimmert meiner Meinung nach da schon durch, weil es funktioniert nie ganz aus, dass man ganz mit etwas verschmiltzt. Man kann es zwar probieren, aber…Das ist bei mir oft so beim Songtext schreiben, dass ich irgendwas was mir gerade einfällt hernehme, und um das dann kreise, aber es geht eigentlich gar nicht um das Ding selber. Man kann seine Gefühle direkt ausdrücken, aber das kann ich nicht gescheid. Ein Satz pro Lied reicht ja, der wirklich was tiefes ausdrückt?
Gibt es schon Ideen fürs nächste (Anmerkung Ernesty International) Album?

ET: Das nächste Album ist eigentlich schon fertig. Bei den letzten zwei Platten hat die Aufnahme sehr lange gedauert. Ich bin ja auch aufs Mischen Mastern und das Cover angewiesen. Das neue Album mischt mein Bruder (Anmerkung Martin Tiefenthaler, auch Musiker bei Hotel Prestige). Ich hoffe, dass er im August Zeit hat, so dass es dann fertig gemischt und gemastert ist und zum Cover gibt es auch schon Ideen?

Wieder mit Astronaut (Anmerkung die ersten beiden Ernsety International Cover ziehrt ein Astronaut vor unterschiedlichen Hintergründen)?

ET: Es gibt verschiedene Ideen. Wenn der Astronaut nochmal kommt dann ist es sicher dass letzte mal. Aber es könnte passieren, dann wäre es so eine Art Trilogie.
Deine Texte kreisen um sehr tiefschürfende Themen in dem Song „Master & Child“ geht es um Kindesmissbrauch und in Daddys Revolver geht es um Selbstmord. Wie kommst Du auf das Thema zu einem Song? Das wird ja nicht autobiografisch sein?

ET: Nein, dass ist nicht autobiografisch, die Freiheit nehme ich mir schon heraus, sonst könnte ich wahrscheinlich gar nichts schreiben. Wie das genau passiert, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, wenn es gut ist und hinhaut, dann nehme ich mir die Gitarre in die Hand und spiele und schon beim Melodie machen, singe ich nicht Badadidadada, sondern z.B.: „I saw you in the tabak traffik!“ oder irgendwas, und dann ist schon eine Richtung da und im Idealfall geht das wirklich total schnell und dann hab ich einen topic, z.B.: Francis Ford Coppola ist ein gutes Beispiel. Um das kreist der Song dann, dann kann ich Sätze herumschleudern die davon beeinflusst sind. Es passiert viel zufällig: Der Neil Young hat mal gesagt, wenn er anfangen muss zu überlegen bei einem Lied wie der Text gehen soll, dann hört er auf. Und ein so ähnliches Gefühl ist das bei mir. Wenn es läuft, dann habe ich was gefunden, dann lege ich in mir selber etwas frei, dann verstehe ich mich auch selbst viel besser in dem Moment. Und es tröstet mich auch, wenn ich merke: Hey ich kann das Thema anschneiden, bei dem ich mir denke, damit bin ich alleine. Wenn man dann die Worte dazu findet hat es was befreiendes.
Bei Bell Etage entstehen die Songs aber dann eher im Proberaum?

ET: Da komme ich mit einer Idee daher, seltener mit fertigen Liedern und dann ist es oft so dass ich banalen Scheiß singe wie „hey baby you are so cool“ oder so was ähnliches. Und bei der CDAufnahme wird es dann ernst und bei Bell Etage muss ich dann einen Text schreiben, und auch bei der neuen Ernesty habe ich bei der zweiten viel mehr Zeit als bei der ersten damit verbracht. Wenn ich weiß ich muß dann geht es eh auch besser. Jetzt wiederspreche ich mich ein bisserl selbst. Ein Tritt in den Hintern kann nie schaden fürs Textschreiben.
Red Cross, die Single ist ein Teil eines alten Liedes? Worum geht es genau in dem Song?

ET: Ja, die Melodie habe ich mit siebzehn, achtzehn geschrieben und hab dann noch einen Refrain dazu gebastelt. Ich kann es aber selbst nicht genau auf den Punkt bringen, worum es darum geht, aber ich kann es versuchen:  Es geht um eine Art Sexualität zu der man nicht den direkten Zugang hat und sagt: Ich geh jetzt raus und sage zu einem Menschen: Wow Du gefällst mir, sondern genau das Gegenteil. Nein. Das Gegenteil nicht…Es wird in dem Refrain angesprochen: You gotta hide the love, this is the price you gotta pay! Ein Bild dass ich gerne habe, in den 80er Jahren gab es ein Bild, wie Greenpeace so groß geworden ist, dass man die Robben mit roten Kreuzen besprühte, damit man ihr Fell nicht mehr verwenden kann.

Das kommt ja auch im Video vor?

ET: Ja, wobei das Video nicht offiziell autorisiert ist, das ist zwar über pumpkinrecords gelaufen, es wird auf Youtube herumgeistern, aber nicht auf der Bandhomepage zu sehen sein.

Wird es ein offizielles Video für Ernesty geben?

ET: Ja es gibt eine Idee. Aber wir wissen noch nicht zu welchem Song. Es könnte Wait werden, es könnte aber auch Daddy´s Revolver oder auch ein eigenes Video zu Red Cross werden.

Du spielst ja in mehreren Bands, bei Hotel Prestige, bei Bell Etage und bei Ernesty International. Wie unterscheidet sich da deine Rolle in den unterschiedlichsten Bands?

ET: Hotel Prestige ist momentan ziemlich auf Eis. Der Reinhard kriegt ein Kind, wir haben jetzt ewig lang nicht geprobt. Hotel Prestige waren ursprünglich der Martin und ich machen eine Band und singen dann meine Lieder. Das war im Jahr 2001. Der Johnny war Schlagzeuger. Und der Reinhard ist dann später dazugekommen. Bell Etage ist E-Gitarren lastiger. Die Guitarrengeschichte soll schon gescheid grooven, und dann singt man drüber und das ist anders, als wenn das von der Gesangsstruktur lebt. Bei Bell Etage spiele ich die E-Guitarre und das ist eine Rockband. Nur bei Ernesty spiele ich nur akustische Guitarre, was ich auch aber nicht mehr nur machen möchte.

Welchen Stellenwert haben die unterschiedlichsten Bands für dich?

ET:Ernesty fühlt sich gerade am Frischesten an. Bei Bell Etage müssen wir halt schauen nach der langen Pause, wie es sich entwickelt. Wir wollen auf jeden Fall, nachdem das zweite Album etwas ruhiger war, haben wir schon alle gesagt, dass die dritte rocken soll. Sie soll wieder ein bisschen härter sein. Ich freue mich schon auch sehr wieder auf Bell Etage. Es wird so sein, dass wir mit den Ernesty weniger proben, bei Bell Etage werden wir einenhalb bis zweimal in der Woche proben. Es wird mit Bell Etage weiterhin viel passieren. In welche Richtung es genau geht wissen wir noch nicht. Ich freu mich über die Solo Sachen auch voll und ich werde das auch sicherhin weiter machen. Das zweite Kind vom Reinhard kommt im Herbst und deshalb machen wir bei Hotel Prestige im Moment nichts. Aber wir wollen sicher wieder weitermachen.

Schreibst Du bei Hotel Prestige die Texte?

ET: Es gibt Lieder von mir und es gibt Lieder vom Reinhard und bei meinen Liedern schreib ich auch die Texte. Manchmal kommt es auch vor das der Reinhard im Proberaum spontan was zu meinen Liedern erfindet. Das kommt auch manchmal vor. Aber normal ist es so, entweder komme ich mit einem Lied oder der Reinhard. Sogar der Herbert hat schon mal einen Song geschrieben. Das war das Shakespeare Lied, dass mal auf einem pumpkin-Poem-Sampler drauf war.

Mit welchem Alter hast Du begonnen eine Guitarre in die Hand zu nehmen?

ET: Da war ich 18 oder 17. Ich hab Stellung gehabt und war vorübergehend untauglich. Und dann hat meine Mutter gesagt, magst nicht irgendetwas mit deinem Leben machen: Und hat gesagt, magst vielleicht eine Gitarre..(lacht) also voll uncool. Und dann bin ich halt mit ihr zum Gitarrengeschäft: Das ist totaler Rock N´Roll mit 18 mit der Mama zum Gitarrengeschäft. Das war der Forstinger in Linz in der Goethestrasse. Und witzigerweise habe ich ein Bob Dylan Songbook auf einem Ständer mit 300 Liedern gesehen und da waren auch die Griffe aufgezeichnet und das war auch meine Rettung. Da habe ich mir die Griffe angeschaut und auch schnell eigene Lieder geschreiben und habe relativ viel Zeit mit der Guitarre in meinem Zimmer verbracht. Das war auch ein Lebenszeichen von mir, darauf hab ich mich verlassen können.
Welchen Stellenwert hat die Musik heute in Deinem Leben?

ET: Ich weiß natürlich nicht, wie es wäre, wenn ich dass nicht hätte, aber es ist sicher das, was ich am liebsten mache und wenn ich dass nicht hätte, wüßte ich nicht wie es mir dann ginge. Ich werde es sicher weiter machen. Es ist natürlich das Wichtigste und wo ich natürlich ich selber sein kann und wo ich auch das Gefühl habe, dass ich was kann. Also das Gefühl, dass ich mich als vollwertiger Musiker fühlen kann. Dieses Gefühl habe ich noch nicht lange und noch nicht voll so. Das kommt jetzt erst.

Danke für das Gespräch!

Markus Egger, Mica

° It could be the Sun, Mr. President

Die Sonne – oder doch der Mond? Weit vorgedrungen ist der heimische Sänger und Multiinstrumentalist Ernst Tiefenthaler in seinen Feldstudien zwischen Americana und Singer-Songwriter-Folkpop. Für einen Rastlosen hört sich der Mann, der neben den Bands Bell Etage und Hotel Prestige noch das Homerecording-Projekt Ernesty International betreibt, auf „It Could Be the Sun“ allerdings sehr entspannt an. Kleine Songperlen wie „Red Cross“, „Fidel Castro“ oder „Alaskan Beach Boy“ gehen ihm auf seinem zweiten Soloalbum scheinbar leicht von der Hand.
Sebastian Fasthuber, FALTER

° Ernesty International: »It Could Be The Sun, Mr. President«

Vermutlich ist Ernst Tiefenthaler aka Ernesty International einer der fleißigsten österreichischen MusikerInnen. Ist er doch nicht nur bei Hotel Prestige und Bell Etage im Einsatz, und jetzt erscheint schon wieder eine neue Scheibe von ihm – gefühlt die dritte mit seiner Beteiligung in diesem Jahr. Die Kanalisierung von Kreativität ist durchaus positiv anzumerken, so bleibt keine Tagesfreizeit für das Einwerfen von Kellerfensterscheiben oder andere Dummheiten. Ohnehin ist E. I. per Eigendefinition eine nicht-kommerzielle Nichtregierungsorganisation, die auf musikalischem Weg z. B. Einsamkeit bekämpfen will. Musikalisch hat Ernesty International sein Universum seit einigen Jahren abgesteckt: Indie-Pop-Folk, dem er mit seiner eindringlichen Stimme eine eindeutige Note gibt – das Cover ist wie bei der ersten E.-I.-CD auch ein Verweis auf Astronauten, ca. in den 1970er-Jahren. Ein wenig Elektronik ist dank Mitstreiterin eloui auch dabei und so ist »It Could Be The Sun, Mr. President« ein weiterer Beleg für die starke Singer/SongwriterInnen-Szene dieses Landes, kann einen durch den Sommer begleiten und sollte auch im Winter gehört werden – es wäre wegen der Einsamkeit.
Jürgen Plank, skug

° CD des Monats Juli: Ernesty International: "it could be the Sun, Mr. President". pumpkin records 2010.
Der Haubentaucher ist bekanntlich ein deklarierter Fan des Herrn Ernst Tiefenthaler und das wird sich nach dieser CD auch sicher nicht ändern. Entspannt, fast schon abgeklärt, klingt Ernesty auf der zweiten Solo-CD. Tiefenthaler besingt Fidel Castro, die holde Weiblichkeit und die Knarre des Herrn Papa. Reichhaltig instrumentiert mit Xylophon, Tambourin und einem Haufen Schlagwerkzeug, Keyboard und natürlich einer Menge Gitarre, könnte "It could be the Sun" eine Platte werden, auf die sich Menschen mit Geschmack und Faible für Songwriting einigen können. Anspieltipps: "Red Cross" und "Alaskan Beach Boy".

Haubentaucher, http://haubentauchers.blogspot.com

° Es ist die Sonne, Mister President!
Schon vor knapp einem Jahr, als der Multiinstrumentalist und Musicaholic Ernst Tiefenthaler im Soundpark zu Gast war, um sein Solo-Debüt als Ernstey International vorzustellen, hat er mich mit einer Aussage ziemlich überrascht: "Ich habe eigentlich schon das nächste Album fertig!". Und auch dieses Mal ist es so, dass wir zwar über das neue Album "It Could Be The Sun, Mr. President" sprechen, aber dieser umtriebige Musiker schon das nächste Werk in der Tasche hat. Der Belle Etage und Hotel Prestige Sänger scheint in einer 12 Monate zeitversetzten Parallelwelt zu leben, zumindest was sein musikalisches Schaffen angeht. Wenn Ernst Tiefenthaler mir im Studio gegenübersteht, ist er volkommen im Hier und Jetzt, zumindest so gut es ihm gelingt, denn der nachdenkliche und sehr lyrisch veranlagte Songschreiber wählt seine Worte immer mit Bedacht und die selbstkorrektiven Reflexionen rücken oft einen spontanen Gedankengang zurecht.

Genau das scheint auch das unerschöpfliche Potential von Ernesty International zu sein, dem fiktiven Mammutunternehmen, hinter dem zwar nur eine Person steht, dass sich jedoch ein großes Kredo auf die Fahnen geheftet hat:

Ernesty International is a non-governmental, non-profit organization whose aim is - by means of music - to fight global and individual indifference, self-delusion, manipulation, lifelessness, communication disability, misanthropy and solitude.

Das zweite Ernesty International Album "It Could Be The Sun, Mr. President" erschienen auf Pumpkin Records. Auch hier wird der Astronaut wieder auf ein ihm unübliches Terrain gesetzt. War's beim Debüt noch die Alm, so ist es jetzt die Sonne.
Musikalisch wird das auf dem zweiten Album mit großteils akustisch anmutenden Folkpopperlen umgesetzt, die jedoch in ihrem Aufbau und in ihrer Konzeption recht komplex sind. Jeder Song entfaltet sich erst nach und nach und scheint dem konfuzianistischem Grundsatz "Der Weg ist das Ziel" zu folgen. Manchmal muss man dafür auf einer Djembé trommeln, eine alte Groovebox entstauben oder aber einfach dem Schnurren einer Katze folgen. Darüber hinaus ist "It Could Be The Sun, Mr. President" stringenter als das Debüt und von den Geschichten, die Ernst erzählt, vielleicht noch eine Spur abstrakter und verschlungener. Hinzu kommt die stimmliche Weiterentwicklung, die ihn manchmal sogar timbre-mäßig an Johnny Cash heranzuführen scheint. Unterstützung erhält er diesmal erneut von eloui und ihrer bezaubernden Stimme.

In einer ausführlichen Listening Session mit Ernst Tiefenthaler spielen wir mit Daddy's Revolver, tanzen in Alaska mit den Beach Boys, küren eine 40 Watt Glühbirne zum König und betrachten zurückgelehnt die Welt von außen.
Andreas Gstettner, www.fm4.orf.at

° It could be the Sun, Mr. President...

...ist nicht der neue Werbeslogan von Greenpeace, sondern der Titel des neuen Albums von Ernesty International. Der vielbeschäftigte Ernst Tiefenthaler, der sowohl bei der Folk-Combo Hotel Prestige als auch bei den Indie-Rockern von Bell Etage den Sänger gibt, hat mit seiner dritten Band Ernesty International beim steirischen Label Pumpkinrecords dieser Tage sein zweites Album herausgebracht. Am 24. Juni wird das Video zur neuen Single Red Cross in der Wiener Transporter Bar präsentiert.

2007 startete Ernst seinen musikalischen Roadtrip: In einem ausgeborgten Auto fuhr er beladen mit einem Haufen Instrumenten nach Oberösterreich: Genauer gesagt in das Haus seiner Großeltern nach Aschach. Er schaffte es schlussendlich die Heizung im kalten November in Gang zu bringen und einige Songs aufzunehmen. In der ländlichen Abgeschiedenheit und Einsamkeit wurden von Herrn Tiefenthaler viele Chorpassagen eingesungen, die seine diversen unterschiedlichen Stimmungen transportierten.

Musikalisch hat das zweites Album von Ernesty International noch mehr Tiefgang als das Debut. Der Opener des Albums Daddys Revolver handelt von einem Jugendlichen, der versucht sein Leben mit der Knarre seines Vaters zu beenden. Die Stimme von Tiefenthaler erinnert zeitweise an die des Belgiers Tom Barmann, seines Zeichens Sänger von dEUS. Die zweite Nummer und neue Single Red Cross rechnet mit einigen Organisationen ab: Im Song heißt es: „So all you Greenpeacers, Scandinavian Governments, Amnesty Internationals and United Nations, Send us your love!“

It could be the sun, Mr. President wurde in Riedenthal in Niederösterreich aufgenommen, im Haus von Ernsts Bruder Martin, der auch mit ihm gemeinsam sowohl bei Hotel Prestige als auch bei Ernesty International spielt. Die weiteren Musiker der Band hat Ernst aus seinem nächsten Umfeld zusammengewürfelt: Josip Pavic, der auch bei Bell Etage Schlagzeug spielt, sowie Reinhard Gassner vom Quellenchor und von Hotel Prestige am Bass, sowie Alexander Diesenreiter von M185, sowie die Sängerin eloui (Thalija, Brainmanagerz).

Schöne Indiesounds, denen Ernst Tiefenthaler mit seiner markanten Stimme emotional wie textlich Tiefgang verleiht. Ernesty International hat einen Faible für bekannte Persönlichkeiten: Während am Erstling noch Francis Ford Coppola besungen wurde, wird auf dem neuem Album ein Track Fidel Castro gewidmet. Aber auf die politische Gesinnung der Band sollte man dabei nicht schließen, denn wie heißt es so schön auf dem Booklet der CD: Ernesty International is a non-governmental, non profit organization!
(me), www.mica.at

° Ernesty International: It could be the Sun, Mr. President.

Wie schon 2009 hat Ernst Tiefenthaler, Sänger der Wiener Bands "Bell Etage und "Hotel Prestige", nun neuerlich als Ernesty International einige Songs im Alleingang eingespielt. Nur Gastsängerin Eloui ist auf einigen tracks mit dabei. Es sind wieder zart gesponnene, grazil instrumentierte Stücke geworden, wobei eine gewisse lyrische Unbedarftheit diesmal nicht zu überhören ist. Ganz schlimm ist eine als Song getarnte Ergebenheitsadresse an den verdämmernden Fidel Castro.
Gerald Schmickl, Wiener Zeitung

° Die interessanteste Popmusik kommt dieser Tage von direkt vor der Haustür. Sie kommt von Soap&Skin, Kreisky, Aber das Leben lebt, Laokoongruppe, SOTVR - oder auch von Ernesty International. Nie gehört? Kein Wunder. Es handelt sich um das neue Soloprojekt von Ernst Tiefenthaler, dem Sänger der ebenfalls empfehlenswerten Bands Bell Etage und Hotel Prestige. Im leerstehenden Haus seiner verstorbenen Großeltern hat der aufgeweckte Multiinstrumentalist ein knappes Dutzend Songs zwischen LoFi-Spielerei und großem Epos, klischeefreiem Americana und lässigem Singer/Songwriter-Pop aufgenommen - selbstsicher, emotional und sehr gut.
Gerhard Stöger, FALTER

° Hinter dem eigenwilligen Namen steckt Ernst Tiefenthaler, der Sänger der österreichischen Alternative-Bands Bell Etage und Hotel Prestige. Weil ihn zwei Kapellen aber offensichtlich nicht auslasten, hat er jetzt im Heimwerkerverfahren auch noch ein sehr schönes Soloalbum aufgenommen, das sich, wie sein Pseudonym, „Ernesty International“ (Pumpkin/Trost) nennt. Tiefenthaler präsentiert sich hier als aufgeweckter Multiinstrumentalist, der zwischen LoFi-Spielerei und großem Epos, klischeefreiem Americana und lässigem Singer/Songwriter-Pop entspannt zu überzeugen vermag - und auch auf einem US-Label wie Saddle Creek durchaus gut aufgehoben wäre.
FALTER

° Ernst Tiefenthaler ist ein Mann vieler Talente und Bands. Er spielt bei den Indie-Folkern Hotel Prestige und den rockigeren Bell Etage (deren zweite Platte in Kürze kommt). Ernesty International - grandioser Name - nennt sich nun also das Soloprojekt bzw. Soloalbum des Anpackers und heimlichen Poeten („Love, love, love. There’s too much love“), das er im Haus seiner verstorbenen Großeltern in guter alter Homerecording-Tradition aufgenommen hat. Weitgehend akustisch arrangiert erinnert der unaufgeregte aber aufregende Songwriter-Pop Tiefenthalers an die frühen, schräg-bezaubernden dEUS oder wahlweise an die Indie-Granden Yo La Tengo zu deren besten ruhigen Momenten. Und an, ähem, Springsteen. Was insgesamt doch ziemlich beeindruckend ist!
Gregor Tischberger, Kurier.at

° Ernst Tiefenthaler alias Ernesty International kennt man vielleicht von Hotel Prestige oder Bell Etage. Bei vorliegendem Soloprojekt hatte er alle Hände voll zu tun, „Gitarre, Bass, Beserl-Snare, Kuhfelltrommel, Melodika, Klatschen, Mundharmonika, Tambourine, Glockenspiel, Shaker, Chor, Libro-Schere, Rotweinflasche, Ukulele und Keyboard“, das alles kam hier laut Pressetext zum Zug. Und das Ergebnis hört sich dementsprechend überschwänglich und euphorisch an, gleichzeitig lauert im Hintergrund ein tiefe Melancholie. Für die Aufnahmen hat sich Tiefenthaler ins leer stehende Haus seiner verstorbenen Großeltern zurückgezogen, und dort Songs geschrieben, die Oma und Opa mit stolz erfüllt hätten.
Tiz Schaffer, Megaphon, Graz

° Ernst Tiefenthaler, sonst zum Beispiel noch Sänger der feinen heimischen Bell Etage, macht sich hier als Ernesty International selbstständig und hat ein extrem gutes Album aufgenommen. Das betrifft nichtnur den schönen Projektnamen, sondern auch die weitreichende Musik zwischen Lo-Fi-Songwriting im Sinne von Aber Das Leben Lebt und vielen Spielereien und Experimenten zwischen TV-On-The-Radio-Chören und schrägen Melodien. Irgendwie schwer fassbar, aber doch großartig.
(8/10)

Martin Mühl, The Gap

° Das musikalische Kreativitäts- und Gravitationszentrum des aus der Kulturinitiative „Kürbis“ hervorgegangenen Labels ist der Sänger und Instrumentalist Ernst Tiefenthaler. Neben den Bands Bell Etage und Hotel Prestige, deren Kopf und Stimme er ist, hat er nun unter dem Namen Ernesty International ein Homerecording-Soloalbum vorgelegt, das in seiner ruhigen, fließenden Musikalität zum Besten gehört, was Österreichs Singer/Songwriterszene derzeit zu bieten hat. Schöne Chöre, mit manch kühner Selbstacapellisierung, treffen auf Glockenspiel, Melodica und Ukulele. Auf einigen der elf Songs ist Eloui als Gastsängerin mit dabei.
Gerald Schmickl, Wiener Zeitung